Ich kann Telepathie!
31.03.10
Es gibt Tage, an denen muss man Prioritäten setzen. Heute ist so ein Tag. Zum einen ist da das Heimspiel der Jungs gegen meinen Zweitlieblingsverein, das ich im Leben nicht verpassen möchte, zum anderen ist da die Gesundheit, die einfach sagt: „Du gehörst ins Bett, ins Bett, ins Bett!“ Und da am Wochenende der schönste Handballer der Welt zum wahrscheinlich letzten Mal nach Kiel kommt, muss ich heute darauf verzichten, den zweitschönsten Handballer der Welt von Anfang an auf der halbrechten Außenposition zu bewundern, der just in diesem Moment einen wahren Hammer im Tor versenkt. Ach!
Könnte ich, würde ich jetzt jubeln – auch, weil Titi grad mal wieder sensationell gehalten hat. Doch meine Stimme ist irgendwie mal wieder im Laufe des Tages verlustig gegangen – außer mir scheint das aber anscheinend niemanden gestört zu haben.
Na ja, nun friste ich mein Dasein auf der heimischen Couch, gewandet in ein lustig schwarz-weiß geringeltes Freizeit-Outfit und dick eingemummelt unter der Kuscheldecke und suche meine Freunde in der Halle.
Die Perspektive ist aber eine andere und sehen kann ich hier auch nicht gut, DSF Ruckelkamera sei Dank. Und die Atmosphäre kommt auch nicht rüber. Dafür gibt es leckeren Tee statt schrecklicher Sinalco, vorm Klo sind keine Schlangen und kosten tut pullern hier auch nix.
So, 16 Minuten gespielt und wir führen mit zwei, ähhhhhhhhhhh, einem Tor. Jungs, das muss besser werden!!! Wie Ausgleich? Das geht gar nicht. Schnell den Live-Ticker der Marmeladen Söldner gecheckt, die Marmeladiers führen mit zwei Toren gegen Göppingen. Und Momir trifft. Gut. Und die Löwen gewinnen gegen Gummibach. Soooo schlecht ist es daheim doch nicht. Man bekommt ja schon ne Menge mit. Auch, dass in HH grad nix passiert. Dafür Magdeburg aber beharrlich an uns dran ist. Grmpf. Und an uns vorbei zieht. Muss ich etwa doch noch die Glückshose anziehen? Oder besser noch: die Shorts des schönsten Handballers der Welt? Oder doch noch zur zweiten Hälfte in die Halle? Jungs!!!! Ich habe Fieber!!!! Das geht nicht. Da brauch ich erst mal einen neuen Tee. Hamburg liegt vier Tore vor. Vielleicht sollte ich das mal fix in die Halle mailen, Frank sitzt ja mit sämtlichen multimedialen Empfangsmaschinen ganz nah dran und könnte das dem Zeitzi bei einem seiner „ich mach mal jetzt dicke Backen Sprungwurf“ entgegen brüllen. Das sollte den Jungen doch motivieren – oder? Oder ist der so beleidigt, dass er, obwohl Knöchel kaputt auf einmal von Beginn an spielen darf, nur weil Kimis Knie noch kaputter ist? Nein, so ist der Zeitzi nicht. Der hängt sich schon rein. Ui, der Magdeburger Trainer sieht aber böse aus. Da ist der Alfred hübscher. Und Hamburg liegt auch nur noch ein Tor vorn. Ich habe telepathische Kräfte! Yipppiiiieeeehhh! Und Palle hääääääääääääääääält! Und Jiiiiiiiiiiiiiiiiiicha trifft. Führung! Puh ha!
Noch vier Minuten und ich kann ganz entspannt in der Halbzeit meine Mails checken, ein Brot schmieren, die Süßigkeiten auffüllen und die Liegeposition verändern. So langsam gewöhne ich mich an diesen Zustand.
Weniger gewöhnen kann ich mich allerdings an den doch etwas unbefriedigenden Spielverlauf – ahhhh, die Freunde in der Halle lernen auch meine Pein zu schätzen und fordern zaghaft Fußballergebnisse ein. (In jedem Handballfan steckt doch auch ein kleiner Fußballprolet, auch dem Ersatzbundestrainer wird sein kleines KSV-Herz bluten, haben die Störche doch mal wieder verloren …)
Was macht die Marmelade? Klick: Bäh. Führt zu hoch. Aber wir berappeln uns auch. Was bin ich telepathisch. Toll.
Jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiicha! Und Semrau soll mal seine Klappe halten! Zwei Kieler auf der Bank und der freut sich. Sollten Journalisten nicht unparteiisch sein? Klappt nicht immer, was? Aber unsere Rache folgt auf dem Fuße – ihr tobt, Titi hält und Momir trifft. It works!
Oh, ihr seid so toll, so laut, ich hör euch bis hierher! Das ist großartig. Am besten seid ihr übrigens, wenn die Flachpfeifen in Türkis ihrem Namen alle Ehre machen. Dann werdet ihr böse. Und das hört sich gut an. Das beflügelt sogar Mini, der es direkt mal schafft, allein vor dem Tor, das Ding auch rein zu machen. Sorry, Mini, das musste jetzt mal sein.
Zeitzi, Zeitzi!!! Ich will auch mitmachen. Meine Güte, was muss in diesem Jungen vorgehen? Das ist doch Gänsehaut pur und ich werde nicht müde, jedes Mal meine (heute nicht vorhandene) Stimme zu erheben und dieses Kerlchen anzuflehen, doch für immer und ewig für eine gewisse Attraktivität im Kieler Handball zu sorgen!
So sieben vor, leider die Marmeladen-Kasper auch. Aber das Ding haben wir schon mal eingefahren. Auch ohne mich. Aber dafür habe ich heute neue Kräfte in mir entdeckt. Das ist doch auch was!
PS: Herr Semrau hat auch was Nettes zu unserer Nummer zwanzig gesagt, ich bin ihm nicht mehr böse.
Wir sehen uns am Samstag, Leute. Ich bin das stumme Zebra, das sabbert!
Euer Kleindaddel
Quelle: kleindaddel
