Glosse: Legenden …
08.04.10
Eine Legende ist es ja bereits, das Nordderby. Der Tag, dem alle Fans seit Wochen, gar Monaten entgegen fiebern. Nur zwei Mal im Jahr ist es soweit und gestern war wieder der große Tag.
Doch: Wo bleibt das große Kribbeln? Ist es mit den Tonnen von Antibiotika, die ich die letzten Tage mir einverleibt habe, quasi weg gedopt worden? Erstaunlich gelassen pilgere ich zu recht später Stunde in die Arena und merke (zunächst) kaum einen Unterschied.
Die Kollegen stehen wie immer auf eine letzte Zigarette vorm Spielereingang – aber oops!: Das sind ja doch 'ne Menge! Nicht nur die übliche Kieler Presseschar, oh nein! Ich sehe gar den alternden ZDF-Kollegen, der eigentlich nur auftaucht, wenn er einen Skandal wittert (oder wenn der Turnverein Hassee Winterbek seine jährliche Jahreshauptversammlung im Vereinsheim im Krummbogen abhält) und eine Begnung der Erzrivalen schreit ja geradezu nach Skandalen. Sei es, das Christian Zeitz mal wieder böse Bälle gen Flensburger Torhüter schleudert oder dass der verletzte Kapitän nun doch in letzter Sekunde aufläuft (der größte Medienbetrug aller Zeiten!) oder dass … Is' auch egal, wenigstens er ist dabei! Ich sehe zu, dass ich auf Abstand bleibe, denn Männer, die gleich zwei Ringe an einer Hand tragen, sind mir eh' suspekt.
Aber kommen wir zum eigentlichen Skandal: Das Nordderby ist kein Derby mehr. Das Kribbeln fehlt, die Stimung ist mau (bei mir auf jeden Fall), die Flensburger Fans (hat man sie überhaupt gesehen, gehört – ja waren denn welche da?) zahm wie Meerschweinchen und die Flensburger Spieler nett, sympathisch und eben auch legendär! Einer zumindest. Ich würde ihn beinahe auf eine Stufe stellen mit Stefan Lövgren – ihm gebührt der Löwenanteil des Erfolges der Jungs von der falschen Förde: Lars Christiansen. Das bestimmt Beste, was Flensburg jemals (außer den Beate Uhse Shops) hervorgebracht hat. Und mit Abstand das Sympathischste.
Und dementsprechend wird er auch in der Halle angekündigt und begrüßt. Mit Standing-Ovations und einem eigens ihm gewidmetem, riesigen Plakat – eine Ehre, die sonst nur eigenen Spielern vorbehalten ist. Wenn Herr Ploog einen Skandal wollte, jetzt hat er ihn. Und ich lese auch jetzt schon die Schlagzeile aus Andreas Rudolphs Hoffmärchens Edelfeder: „Erneuter Bestechungsskandal in Kiel: Fanclub besticht zukünftigen Eurosport-Mitarbeiter! Mit einem riesigen Plakat und nicht ernstgemeinten Abschiedsapplaus verabschieden die Kieler Fans in der HSH-Nordbank-Arena (Hoffmann war ja nicht da, hat nur TV geglotzt und schreibt trotzdem Quatsch) den zukünftigen Sportkommentatoren Lars Christiansen, um so einer kritischen Berichterstattung (siehe Stefan Kretzschmar) vorzubeugen ...“ oder so ähnlich.
Nun denn, nun geht’s aber los! Und wie. In den ersten zehn Minuten gönnen sich beide Mannschaften nicht die Butter auf dem Knäcke. Zäh fängt es an, zäh geht es weiter, zumindest für uns. Auszeit in der neunten Minute. Ein Blick auf die Anzeigetafel lähmt. 2:6 führen die Flensen. Dass man sich damit in bester Gesellschaft mit den Müncher Edelkickern befindet, die gegen ManU bereits nach wenigen Minuten mit zwei Toren (was im Fußi ja ein Meilenstein ist) zurück liegt, wissen die meisten in der Halle nicht. Dennoch: Es soll noch bis zur 22. Minute dauern, bis endlich der Ausgleich fällt. Laut ist es in der Halle bis dahin nicht gerade. Aber immerhin gelingt es den Zebras, mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die zweite Halbzeit zu starten.
Und da wird direkt Tempo aufgenommen. Schon nach nur wenigen Sekunden hammert Igor Beutler den ersten Ball in den Kasten. Und langsam kommt auch die Halle in Fahrt. Kein Wunder, denn auch auf der Kieler Bank geht es richtig rund. Marcus gefällt mir richtig auf der Bank (okay, am Kreis gefällt er mir besser) und Alfred gibt den Derwisch. Gut so.
Spektakulär auch Filips Einlage beim Handball-Bowling, als er mitten in die Kieler Bank kracht. Strike! Schön auch der neue Wischerboy des THW. Nur komisch, das er statt Sinalco-Werbung auf dem Bauch, eine 33 auf dem Rücken trägt. Erst schnell den Boden gewischt, dann dem Henke damit den Schweiß von der Stirn gewischt. So soll es sein.
Einen großen Dank übrigens an Rolf Körting, der den Namen Ostseehalle gestern ständig so rein retro-mäßig gebraucht und damit sicherlich die Kollegen vom Fernsehen ins Grübeln versetzt hat. Und Glückwunsch an den Mann der dicken Backen: 118 km/h! HAMMER!!!
Fazit: Gewonnen haben wir. Spaß hatten wir. Wieder kommen wir erst am 21. April.
Bis dahin!
Euer Kleindaddel
Quelle: kleindaddel
