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THW Kiel von 1904

Glosse, THW Kiel - Füchse Berlin

Narcisse und Jicha

© living-sports.de



© Renate Butler 2007

Glosse: Prominent! …

08.04.10
Mann, ist das heute ein Tag! Anstatt wie sonst in Sneakers und Shirt stolziere ich heute in Highheels und drei „beanzugten“ Kerlen in die Ostseehalle und nehme dabei keineswegs den sonst so wenig repräsentaiven (wenn auch von vielen Fans darum beneideten) Spieler- aber auch Hintereingang, sondern klettere formvollendet die Freitreppe in die Business-Lounge empor, wo mich Kollegin Pipke als V.I.P.-Betreuerin auf Herzlichste begrüßt (wenn auch ein wenig irritiert – was hat ein kleines Zebra bei den wichtigen Leuten zu suchen?).

Eine Stunde ist es noch bis zum Anpfiff und hier herrscht alles andere als eine sportliche Atmosphäre – im Gegenteil: statt nach verschwitzten Socken und alten Turnbeuteln duftet es hier nach leckeren Speisen und teurem Parfüm. Man plaudert ein wenig in gedämpfter Lautstärke – ich glaube, NICHT über Handball und ärgert sich hie und da ein wenig darüber, dass man das Fußballspiel der Bayern-Millionäre heute in der Glotze verpasst, dafür aber Handball-Tausendionäre live sehen muss. Nun denn. Ich sehe sie ganz gern, traue mich aber kaum, es zuzugeben. Also stelle ich mich erstmal am Bufett an. Wow: Auch hier ein kleiner aber feiner Unterschied in der Zuschauer-Verpflegung. Business- statt Fan-Klasse halt. Aber durchaus lecker. Kleine Köstlichkeiten, die nicht gerade den Erhalt einer sportlichen Figur garantieren, aber wer denkt denn hier auch schon an Sport? Also, noch einmal Sauce Hollandaise nachgekippt und fröhlich nach links und rechts grüßend und lächelnd den Platz eingenommen.

Nett sind sie ja, die wichtigen Menschen beim THW. Das kann man ihnen nicht absprechen. Gar nicht. Aber – ich möchte sagen – ein wenig phlegmatisch. Und das ist nicht böse gemeint, aber ich habe den Eindruck – ein voller Bauch, der klatscht nicht gern. Der singt auch nicht gern. Und schon sehr ungern tanzt er das Fliegerlied. Das musste ich allein machen. Ganz allein. Das fand ich sehr schade. Aber das ist auch das Einzige. Sonst war mein Ausflug in die Promiwelt wirklich toll. Auch wenn ich auf den teuren Plätzen gar nicht so gut sehen konnte. Und es auch ganz schön gezogen  (aber da ich das ja auch vom meinem „hinter dem Tor Platz“ kenne, war ich sehr gut vorbereitet) und ein wenig nach Zigarette gerochen hat (aber das Business-Raumschiff wird ja auch Zigarre genannt, dann darf es vielleicht auch ein bisschen nach Qualm riechen). Na ja, also Handball wurde ja auch gespielt, aber das haben die Jungs in den kurzen Hosen da unten gemacht. Zumindest die in Schwarz-Weiß. Die anderen nicht, Die haben ebenso so Ruckel-Ball gespielt, wie die Leute von Sport1 (was ja mal DSF war, aber ein neuer Name macht das Produkt auch nicht besser!) die Spiele kommentieren. Und haben ständig den Pommes gemacht und unsere Jungs sind dafür bestraft worden. Das ist so fies!
Und dabei sind WIR so viel besser. Und quaken nicht stundenlang und öffentlich rum, weil wir mal ein paar Stunden im Bus sitzen mussten, statt schick im Flugzeug zu reißen. Oh non, da werden die Zähne zusammengebissen und Tore geworfen oder eben abgewehrt. Ah oui! Und wenn man schon aus dem Land kommt, das das größte Luftverkehrschaos der Geschichte angerichtet hat, dann steht man dazu und übernimmt die Verantwortung – auch wenn man dafür die gelbe Karte bekommt. A propos Karten: Darüber wollen wir hier gar nicht weiter sprechen. Das ist nämlich indiskutabel. Aber immerhin hatte der Christian die Dusche für sich allein. Das ist doch auch was. Und Fußi gucken konnte er auch. Und damit ist ihm der Neid meiner ganzen Promi-Kollegen sicher.

Mein Neid galt mal wieder der Fotomeute am Rande der Platte – in die sprang nämlich besagter Kartensünder. Als er noch durfte.

Ich darf beim nächsten Spiel wieder bei euch sein, das Fliegerlied tanzen und brüllen und klatschen und Frikadelle essen. Ick freu mir!

Aber toll war es trotzdem ...

Euer Kleindaddel

Quelle: kleindaddel