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THW Kiel von 1904

Gelbfieber - Fanzeitschrift des FC Baden-Lions e.V.

Zeitz

© THW Kiel



© Renate Butler 2007

Wird das gejagte Zebra zum Jäger?


05.02.10

Jedes Jahr in der letzten Juniwoche findet sie statt, das ereignisreichste und geschichtsträchtigste Sommerfest im hohen Norden und gleichzeitig das größte Segelsportereignis der Welt, das seit Ende des 19. Jahrhundert in Kiel ausgetragen wird. Die Kieler Woche. Ein Schauspiel das Jahr für Jahr über 3 Millionen Besucher in die Metropole Schleswig Holsteins lockt. Höhepunkt ist schlicht weg die große Windjammerparade, die sehr oft von der „Gorch Fock“ angeführt wird.

Was die Segler an dieser Woche an der Kieler Förde zu leisten vermögen, das sind im Gegenzug die Handballer des THW Kiel, die mit erfolgreichem Spiel das ganze Jahr für Entzücken der Handballfans sorgen. Der traditionsreiche Club an der Ostsee (Gründungsjahr 1904) ist nun bereits Mitte der ´90iger Jahre das Aushängeschild des deutschen Handballs was die Erfolge angeht. Seit 1994 gewann man bis auf vier Saisons, stets die deutsche Meisterschaft. Mit insgesamt 15 Meistertiteln, 6 nationalen Pokalsiegen sind sie alleiniger Rekordhalter in der Handballbundesliga. Hinzu notieren darf man, 3 EHF Pokalsiege, 1 Champions Trophy Sieg, 5 Supercup Gewinne und einen Sieg in der Champions League. Weiterhin halten die „Zebras“ die Bundesligaserie von 47 Spielen in Folge ohne Niederlage und 27 Bundesligaspiele ohne Punktverlust. Auch den Rekord von 5 deutschen Meistertiteln hintereinander haben sie inne, wobei man in der vergangenen Saison 08/09 mit 65:3 erreichten Punkten einen weiteren Meilenstein setzen konnte.

Von solchen Zahlen und Erfolgen können andere Teams natürlich nur träumen, und so werden die Maßstäbe noch lange an denen des THW Kiel zu messen sein. Wie ebenfalls nicht anders zu erwarten war, dass viele den THW bereits wieder als neuen Meister in dieser Runde vorausgesagt hatten, zusammen mit Hauptkonkurrent HSV Hamburg. Und das obwohl mit Stefan Lövgren (Kariere-Ende), Nikola Karabatic und Vid Kavticnik (beide HB Montpellier) drei Leistungsträger den Verein verließen. Doch die Geschäftsführung blieb nicht untätig und präsentierte zum Wohle von Trainer, Team und Fans vier hochkarätige Neuzugänge. Vom französischen Erstligisten Chambery kam „Air France“ (Spitzname), Daniel Narcisse zu den Norddeutschen. Der Franzose besticht auf der halblinken Rückraumposition und sowohl auf Rückraum Mitte. Er war die Antwort auf die Frage was nach Karabatic kommt. Auf der gleichen Position kam vom VfL Gummersbach Momir Ilic und verstärkt somit die Gefährlichkeit des linken Rückraum beim THW. Als Ersatz für Kavticnik kam aus Magdeburg Nationalspieler Christian Sprenger zum Team von Alfred Gislason und war absoluter Wunschspieler auf der rechten Außenposition. Mit Aron Palmarsson (kam vom isländischen Club HF Hafnarfjödur) konnte ein 19jährigers Handballtalent verpflichtet werden das seinesgleichen sucht. Der Isländer gilt als das Jahrhunderttalent im Rückraum und bringt alles mit was ein zukünftiger Handballstar benötigt. In der Saison 08/09 war ein in Island der beste Angriffsspieler der dortigen ersten Liga.

Der Saisonstart verlief dann auch für die Kieler entsprechend erfolgreich, denn bereits am zweiten Spieltag traf man in der heimischen Sparkassen Arena auf die Löwen die man mit 36:29 in Schach halten konnte. Nach 15 Spieltagen lag der THW trotz zweier Unentschieden zu Hause gegen den TBV Lemgo (27:27) und gegen den HSV Hamburg (29:29) mit 28:2 Punkten auf Rang 1 der Handballbundesliga. Doch dann kam das, an das wohl nur die wenigsten der Handballkenner geglaubt hatten. Mit einer völlig indiskutablen Vorstellung zog man überraschender Weise im Auswärtsspiel gegen das „Underdog-Team“ aus Balingen/Weilstetten mit 37:39 den Kürzeren. So gab man nach dieser ärgerlichen Niederlage die Führung in der Tabelle an den Rivalen aus Hamburg ab und läuft seither mit einem Minuspunkt mehr auf dem Konto diesem Rückstand hinterher. Zum erstem mal seit langer Zeit fühlen sich die Zebras nicht mehr in der Rolle des Gejagten, sondern die des Jägers. Ein Umstand der erstmal wieder neu ist, aber Trainer Alfred Gislason gibt sich kämpferisch. „Es ist noch nichts verloren, die Saison ist noch lange genug um diesen einen Punkt auf den Widersacher gut zu machen“. Dass der THW nicht weitere Titelaspiranten fürchten muss, zeigt die Unbeständigkeit der anderen Teams. Der Drittplatzierte FA Göppingen weißt bereits 5 Minuspunkte mehr auf als die Kieler. Für den THW gilt natürlich das für die Rückrunde bestehende schwere Auswärtsprogramm (in Gummersbach, Lemgo, Göppingen und Hamburg) erfolgreich zu gestalten, um nicht weiter an Boden zu verlieren. Das gilt natürlich insbesondere auch heute in der SAP Arena, will man nicht gleich zu Beginn im neuen Jahr als Verlierer von der Platte gehen. Doch auch für die Löwen um Trainer Ola Lindgren täten gut daran gerade jetzt in Bezug auf Platz 3 ein Ausrufezeichen zu setzen. Natürlich wird hier wohl die Tagesform entscheidend sein bzw. wie einzelne Spieler den Stress der Handball EM in Österreich verkraftet bzw. von Verletzungen verschont geblieben sind. Wenn auch der THW heute als Favorit ins spiel geht, so erwartet man doch ein spannendes faires Ligaspiel, das dem Potential beider Mannschaften gerecht wird. Und einer hat da ganz bestimmt große Ambitionen sein Können unter Beweis zu stellen. Christian Zeitz! Das Östringer Eigengewächs spielt seit 2003 für den Rekordmeister aus Schleswig Holstein und ist zusammen mit Marcus Ahlm der dienstälteste Spieler in den Reihen der Zebras. Für ihn bedeutet es immer einen besonderen Anreiz zu seinen Wurzeln zurück zu kehren, betont aber zugleich, dass es in 60 Minuten Handball keinen Grund für Gastgeschenke gäbe und die volle Konzentration dem THW gilt.

Um fehlende Motivation wird es auch bei Henning Fritz nicht mangeln, stand der Torhüter der Löwen doch von 2001-2007 beim THW Kiel zwischen den Pfosten. Der Welthandballer von 2004 will es seinem Gegenüber Thierry Omeyer beweisen, dass er immer noch internationale Klasse besitzt. Die Stimmung unter den Spielern ist also bereits entfacht. Sorgen wir Fans dafür, dass die Stimmung in der Arena zu einem unvergesslichen Moment wird, und unser Löwenrudel unter dem Jubel und Anfeuerungen zum Sieg getragen wird.
Quelle: Gelbfieber - Fanzeitschrift des FC Baden-Lions e.V.